Burnout kommt nicht nur vom Job

Ganz aktuell hat die WHO das Burnout-Syndrom endlich offiziell in die internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen - jedoch nur bezogen auf den Job.


Im Spiegel heißt es:

"Die WHO beschreibt Burn-out als Syndrom aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird". Das Syndrom hat laut ICD-11 drei Dimensionen:

- ein Gefühl von Erschöpfung,

- eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und

- ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.


Zudem weist die WHO darauf hin, dass der Begriff Burn-out ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht "für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen" verwendet werden sollte. Bisher war Burn-out unter "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" und ohne Verweis auf das berufliche Umfeld im Katalog ICD-10 aufgeführt."


(https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/burn-out-durch-arbeitsbelastung-von-who-erstmals-als-syndrom-definiert-a-1269543.html)


Das halte ich nur für die halbe Wahrheit, denn wer sich bereits intensiver mit dem Thema Stress und Burnout beschäftigt hat, hat irgendwann erkannt, dass Burnout nicht nur vom Job kommt. Ausgebrannte Hausfrauen und Mütter, die sich behandeln und beraten lassen oder zu Workshops und Coachings gehen, sind hierfür das beste Beispiel.



Denn Stress empfindet nicht unbedingt der, der von außen viel Druck erfährt, sondern der, der sich selbst viel Druck macht, weil er/sie sich zu viel zumutet, nicht "Nein" sagen kann, sich für alles verantwortlich fühlt und einen hohen Anspruch an sich selbst hat. Hinzu kommen dann noch das Gefühl, allein gelassen und ausgegrenzt zu sein und der Eindruck alle Aufgaben und Erledigungen blieben an einem hängen.

Man hat das Gefühl fremdbestimmt zu leben und nicht mehr das machen zu können, was man eigentlich möchte.


Klar geht es Berufstätigen so. Aber der Druck und der Stress fährt mit in den Feierabend. Denn letztendlich sind es die leistungsorientierten, meist sehr erfolgreichen, gut organisierten, aber auch perfektionistischen Menschen, die ausbrennen. Diese Erkenntnis hat man schon lange in der Burnout-Forschung. Aber diese Menschen brennen ja nicht nur in und für ihren Job aus.


Ihre Lebenseinstellung und ihre Persönlichkeitsstruktur tragen sie ja rundum die Uhr mit sich herum und legen sie nicht an der Bürotür ab. Eine Frau, die ihren Job total zuverlässig erledigt, sich im Büro um alles kümmert, alles im Griff hat und zur Not auch Überstunden macht, damit sie dieses Ziel erreicht, hat diesen Anspruch natürlich auch zu Hause.


Es spielt also keine Rolle, ob jemand Vollzeit oder "nur" Halbtags arbeitet oder in Elternzeit und/oder zu Hause für den Haushalt zuständig ist, wenn dieser jemand starke Pflichtgefühle empfindet und sich gezwungen fühlt sich zu verausgaben. Dann wird der Alltag zur Belastung.


In meinen Augen ist es definitiv unerlässlich und wichtig, dass in der Arbeitswelt ein Umdenken stattfindet, was das Thema Stress, Ruhephasen, echte Effektivität und Arbeitsbelastung angeht, aber kommt der Druck wirklich nur von der Arbeit bzw. von außen?


Ich bin davon überzeugt, dass dem nicht so ist und daher kann JEDER einen Burnout bekommen - egal ob Manager, Altenpflegerin, Hausfrau, Verwaltungskraft oder Mutter.




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