Gibt es eine Midlife-Crisis wirklich?

Jeder kennt das Wort "Midlife-Crisis" und es kommt uns, vor allem durch die Verbreitung der Medien, schnell mal über die Lippen. Oft spaßig gemeint, manchmal aber auch, um uns das sonderbare Verhalten einiger unserer Mitmenschen und Freunde zu erklären.

Doch gibt es die Krise in der der Lebensmitte wirklich?


Fakt ist, dass wir mit zunehmendem Alter, meistens halt eben zur Mitte unseres Lebens, immer öfter mit Veränderungen, Schicksalsschlägen und eben auch allgemein mit mehr Rückschlägen konfrontiert werden können. Möglicherweise erleiden wir den Verlust eines geliebten Menschen, man wird mit Krankheiten konfrontiert, die Ehe scheitert oder uns trifft ein erheblicher beruflicher Fehlschlag. Das ist ganz einfach der Lauf des Lebens und Teil unserer immer fortlaufenden Entwicklung.


Doch diese Anhäufungen von bedeutenden, meist schwierigen Ereignissen lassen uns innerlich Bilanz ziehen. Plötzlich kommen Fragen in uns auf wie: "Was habe ich eigentlich bis hierher gemacht und was habe ich wirklich geschafft?". Wenn wir dann feststellen, dass sich das Geschaffte von dem eigentlich Gewollten erheblich unterscheidet, kann ein resignierendes Gefühl des "Festgefahrenseins" aufkommen, das unser bisheriges Leben komplett in Frage stellt.


Ob es nun zur "Lebenskrise" kommt oder nicht, ist jedoch typabhängig!

Man vermutet in der Psychologie, dass sich eine Midlife-Crisis besonders bei solchen Menschen bemerkbar macht, die im Sinne einer "Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung" ihr Verhalten an vermeintlichen Erwartungen ausrichten. Vermutlich gibt es auch Unterschiede des Erlebens dieser Phase bei Männern und Frauen.


Das Phänomen "Midlife-Crisis" existiert also durchaus! Eine Krise in der Lebensmitte ist aber eben nichts Vorprogrammiertes. Es ist so, dass nicht jeder irgendwann eine Midlife-Crisis erlebt. Denn es ist alles eine Frage der inneren Einstellung und Sichtweise. Entscheidend ist wie man mit einer Krise umgeht und welches "Rüstzeug" man mitbekommen hat, um diese zu bewältigen.


Es könnte hilfreich sein, wenn die Betroffenen von vermeintlichen Erwartungen an sie abrücken würden. Oft haben wir das Gefühl, dass die Gesellschaft und/oder unser Umfeld von uns erwartet, dass unser Leben auf eben eine bestimmte, typische Weise verlaufen muss. Ziele wie "verheiratet sein", "Kinder kriegen", "Haus bauen", "erfolgreiche Karriere" usw. erzeugen Druck, den man sich letztendlich dann selbst macht.


Doch sollten wir uns nicht lieber die Fragen stellen: "Passt so ein Leben denn überhaupt zu mir? Und will ich das wirklich? Oder denke ich, dass das von mir erwartet wird? Und wenn, entspricht das der Realität?"


Wir sind getrieben vom Gefühl dazugehören zu wollen, auch etwas erreicht und geleistet zu haben. Doch ist es nicht viel schöner seinen eigenen Weg zu gehen? Gelten wir dann nicht genauso viel? Und sind wir dann nicht ebenso glücklich, wenn nicht sogar zufriedener? Wir sind doch mehr als abgeharkte Ziele auf einer To-Do-Liste, die irgendjemand für uns erstellt hat!


Was hat Dich bis hierher glücklich gemacht? Und wo kommt der innere Druck und die Unzufriedenheit wirklich her?

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